Anrede


Anrede

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An|re|de ['anre:də], die; -, -n:
Bezeichnung, mit der jmd. angeredet wird:
die Anrede »Fräulein« ist nicht mehr gebräuchlich.

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Ạn|re|de 〈f. 19
1. persönl. Ansprechen
2. Bezeichnung für den, den man anredet (z. B. Ihr, Sie, Frau, Mademoiselle, Herr Professor)
● „du“ ist eine vertrauliche \Anrede; „Signor“ ist die italienische \Anrede für den Herrn; wie ist die richtige \Anrede für einen Bischof?; → Lexikon der Sprachlehre

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Ạn|re|de , die; -, -n:
Bezeichnung, mit der jmd. angeredet wird:
eine höfliche, steife, vertrauliche A.;
wie lautet die A. für einen Kardinal?;
eine A. umgehen, vermeiden.

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Anrede,
 
Form, mit der man eine oder mehrere Personen mit dem Namen, der Verwandtschaftsbezeichnung, dem Anredepronomen, dem Titel oder einer Berufsbezeichnung anspricht und die in verschiedenen Sprachen unterschiedlich realisiert wird. Steuernd wirkt dabei die soziale Hierarchie sowie der Grad der Vertrautheit mit dem Kommunikationspartner.
 
Anrede mit Personalpronomen: Ursprünglich war es üblich, bei der Anrede die 2. Person Singular (im Deutschen »du«) zu verwenden. Nachdem aber schon die römischen Kaiser seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. von sich im Majestätsplural (Pluralis majestatis) sprachen und später auch Bischöfe, Äbte und Grafen in Briefen das »Wir« (Pluralis societatis) statt des »Ich« gebrauchten, bürgerte sich im 9. Jahrhundert in Westeuropa und Deutschland neben dem weiterhin benutzten »Du« das »Ihr« (2. Person Plural) für die Anrede einer Einzelperson ein. Bis zum Ausgang des Mittelalters wurde die Anrede »Ihr« verwendet, um besondere Ehrerbietung zu bezeigen; sie wurde gegenüber höher Stehenden, Geistlichen und Fremden und in adeligen Kreisen wie auch im Bürgertum von Eheleuten untereinander verwendet; auch Eltern wurden so von ihren Kindern angeredet. Das »Du« wurde von einfachen Leuten untereinander, von Angehörigen höheren gegenüber Angehörigen niederen Standes und von Eltern gegenüber ihren Kindern benutzt.
 
Im 16. Jahrhundert wurde die Anrede »Ihr« durch die Anrede »Er« (3. Person Singular), seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auch durch die Anrede »Sie« (3. Person Plural) abgelöst. Besonders die Anrede »Er« bedeutete eine Auszeichnung, da sie die Höflichkeit des »Ihr« noch überbot. Die Verfeinerung der Etikette im höfischen Bereich ließ Anredeformen wie »Euer Gnaden« und »Ihre Hoheit« aufkommen. Im 18. Jahrhundert gebrauchte man das »Er« jedoch nur noch im Verkehr gegenüber Untergebenen und Abhängigen, nach 1800 kam es allmählich aus der Mode, hielt sich aber in einigen Regionen bis ins 20. Jahrhundert. An die Stelle des »Er« als respektvolle Anrede trat zu Beginn des 18. Jahrhunderts die schon vorher bekannte Anredeform »Sie« (3. Person Plural); diese Anrede wurde seit etwa 1740 allgemein gebräuchlich.
 
Heute wird die Anrede »du« für die Kommunikation mit näher Stehenden, »Sie« mit ferner Stehenden sowie als offizielle beziehungsweise unterschiedliche sozialen Status voraussetzende Anrede verwendet. Daneben findet sich bei einigen Titeln (Majestät, Exzellenz, Magnifizenz usw.) noch das Pronomen »Eure« (Abkürzung Ew.).
 
Im Englischen wird in der 2. Person Singular und Plural »you« für jedermann, nur in Gebet und Literatursprache die alte Form »thou« verwendet. Im Französischen wird die Höflichkeitsform »vous« gebraucht (2. Person Plural), für vertrauten Umgang und in der jüngeren Generation allgemein »tu« (2. Person Singular). Im südeuropäischen Raum verwendet man allgemein die 3. Person Singular und Plural, in vertrauter Rede die 2. Person Singular und Plural.
 
Anrede mit nominaler Erweiterung: Die Anrede mit Namen, mit Geschlechts-, Amts-, Berufs-, Verwandtschaftsbezeichnung oder Titel wird in den verschiedenen Staaten, Gesellschaftsschichten, sozialen Gruppen jeweils abhängig von der geschichtlichen Überlieferung unterschiedlich gehandhabt. Im deutschsprachigen Raum benutzt man im vertrauten Umgang den Vor- oder den Kosenamen, bei Verwandten oft in Verbindung mit der Verwandtschaftsbezeichnung (Onkel X, Tante Y), oder nur diese (gegenüber Eltern und Großeltern). Fremde werden in der Regel mit der Geschlechtsbezeichnung und dem Familiennamen angeredet (Herr X, Frau Y); auch unverheiratete Frauen werden heute üblicherweise mit »Frau« angeredet, die Anrede »Fräulein« bleibt jungen Mädchen vorbehalten. Immer seltener wird die Anrede in der Form einer Verbindung von Geschlechtsbezeichnung und Titel, Amts- oder Berufsbezeichnung (z. B. »Herr Studienrat«) verwendet; Ausnahme: die Anrede mit dem akademischen Titel »Doktor«.
 
Förmlich festgelegte Anreden gelten z. B. im diplomatischen Verkehr (»Exzellenz« für den Botschafter), im staatlichen und behördlichen Bereich (»Herr Minister«, »Herr Präsident«), in der kirchlichen Hierarchie (»Hochwürden« für den katholischen Pfarrer, »Exzellenz« für den Bischof, »Eminenz« für den Kardinal, »Eure Heiligkeit« für den Papst), im Hochschulwesen (»Herr Professor«) und beim Militär (»Herr« in Verbindung mit dem Dienstgrad). Die meisten förmlichen Anreden geraten aber immer mehr außer Gebrauch und werden durch einfachere Anredeformen ersetzt: »Herr Botschafter«, »Herr Pfarrer« oder nur »Herr« in Verbindung mit dem Familiennamen, letzteres auch beim Militär zwischen Angehörigen gleicher Dienstgradgruppen.
 
Speziell in Österreich ist nach wie vor die Anrede »Herr Hofrat« und »Herr Professor« (für Mittelschullehrer) üblich, ebenso das »Standes-Du«: die Angehörigen einer Gruppe, eines Standes (z. B. im diplomatischen Dienst, innerhalb des Adels, früher auch beim Militär) duzen sich oft gegenseitig, um die Verbundenheit untereinander zu betonen.
 
 
D. Mann: Titel, A., Anschriften (1967);
 A. Kohz: Linguist. Aspekte des A.-Verhaltens (1982);
 H. Pfeil-Braun u. I. Sollwedel: Das große A.-Buch (51983);
 
A.-Verhalten, hg. v. W. Winter (1984).

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Ạn|re|de, die; -, -n: 1. Bezeichnung, mit der man jmdn. anredet: eine höfliche, steife, vertrauliche A.; eine A. umgehen, vermeiden; ... bediente sich ... der A.: Lieber Freund (Musil, Mann 812); Knopf sucht nach der richtigen A. (Remarque, Obelisk 236). 2. a) (selten) das Ansprechen eines anderen; an einen anderen gerichtete Worte: er blieb stehen, als verlange ihn nach einer A. (Gaiser, Jagd 63); ∙ ... brachte die A. an den Geist (= in einer Hamlet-Aufführung) so verwirrt ... vor (Goethe, Lehrjahre, V, 11); b) (schweiz. veraltet) Ansprache (1).

Universal-Lexikon. 2012.

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